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Extreme Lang- und Kurzschläfer entwickeln schneller Lungenfibrose

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Lange und kurze Schlafzeiten erhöhen das Lungenfibrose-Risiko

Menschen, die regelmäßig mehr als elf oder weniger als vier Stunden schlafen, haben ein zwei bis dreimal höheres Risiko, an einer unheilbaren Lungenfibrose zu erkranken, gegenüber Menschen, die durchschnittlich sieben Stunden pro Tag schlafen. Dies geht aus einer englischen Forschungsarbeit hervor.

Forschende der University of Manchester haben festgestellt, dass extreme Schlafzeiten mit einem höheren Risiko für die Entstehung einer Lungenfibrose verbunden sind. Als Ursache für diesen Zusammenhang wird ein aus dem Takt geratener zirkadianer Rhythmus („innere Uhr“) vermutet. Die Ergebnisse wurden kürzlich in dem Fachjournal „PNAS“ veröffentlicht.

Lungenfibrose – unbekannt und oft tödlich

Über 100 verschiedene Lungenerkrankungen werden unter dem Begriff Lungenfibrose zusammengefasst. Alle Formen sind geprägt von chronischen Entzündungen des Lungenbindegewebes, wobei insbesondere die feinen Wände der Lungenbläschen betroffen sind. Das entzündete Lungengewebe wird dabei in Bindegewebe umgewandelt – die Lunge vernarbt und verhärtet sich zunehmend. Folglich kann Sauerstoff schlechter in die Blutgefäße gelangen und das Einatmen wird fortlaufend erschwert.

Da viele verschiedene, zum Teil sehr seltene Formen unter der Lungenfibrose zusammengefasst sind, gibt es keine eindeutigen Zahlen zur Verbreitung. Schätzungen zufolge leiden rund 15.000 Menschen in Deutschland unter einer Lungenfibrose. Eine Heilung existiert nicht, da verändertes Lungengewebe nicht wieder in funktionstüchtiges Gewebe zurückgewandelt werden kann. Es handelt sich demnach um eine sehr schwere Krankheit, die in zahlreichen Fällen zum Tod führt.

Jede Zelle richtet sich nach einer inneren Uhr

Die Nobelpreis-gekrönte Entdeckung des zirkadianen Rhythmus deckte auf, dass sich alle Zellen im Körper nach einer natürlichen inneren Uhr richten. Der Rhythmus wird durch bestimmte Hormonausschüttungen reguliert, die sich nach dem Sonnenlicht richten. Somit passt sich die innere Uhr dem natürlichen Wechsel zwischen Tag und Nacht an.

Gesunde Schlafdauer reduziert das Risiko

Bei Versuchen an Mäusen entdeckten die Forschenden, dass fibrotische Prozesse in der Lunge angestoßen werden, wenn der zirkadiane Rhythmus der Lungenzellen gestört ist. Diese Erkenntnis wurde an Humandaten der britischen Biobank überprüft. Dabei zeigte sich deutlich, dass sowohl kurze als auch lange Schlafzeiten mit einem stark erhöhten Risiko für Lungenfibrose assoziiert sind.

Langer Schlaf noch riskanter als kurzer

Der Analyse zufolge sind regelmäßige Schlafzeiten von vier Stunden oder weniger mit einem verdoppelten Fibrose-Risiko verbunden. Bei Personen, die regelmäßig elf Stunden oder länger schlafen, ist das Risiko sogar um das dreifache erhöht. Als Kontrollgruppe dienten Personen, die regelmäßig sieben Stunden schlafen. Geringere, aber dennoch erhöhte Risiken wurden auch bei Menschen beobachtet, die nachts lange wach bleiben oder Schichtarbeit leisten.

Neue Therapieansätze

„Lungenfibrose ist eine verheerende Erkrankung, die derzeit unheilbar ist“, erläutert Forschungsleiter Dr. John Blaikley. Die Entdeckung, dass die Körperuhr möglicherweise eine Schlüsselrolle spielt, eröffne neue Ansätze zur Behandlung oder zur Vorbeugung der Krankheit.

Macht uns ein unnatürlicher Rhythmus krank?

„Es ist faszinierend, dass bei fibrotischen Erkrankungen die innere Uhraktivität erhöht ist“, ergänzt Dr. Peter Cunningham, einer der Studienautoren. Frühere Studien hätten bereits gezeigt, dass die innere Uhr auch bei Infektionskrankheiten, Krebs und Diabetes eine wichtige Rolle spielt. (vb)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:

  • Peter S. Cunningham, Peter Meijer, Alicja Nazgiewicz, u.a.: The circadian clock protein REVERBα inhibits pulmonary fibrosis development, PNAS. 2019, pnas.org



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